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Antibiotica
Zusammenfassung
Die Chinesen haben schon seit Jahrhunderten Goldfische und Karpfen für Teiche gezüchtet. Weit über 1.000 Jahre läßt sich diese Zuchttradition zurückverfolgen. Schon aus der Yin-Dynastie (von 265 bis 420 n. Chr.) kennt man aus dem Teich des Xin-Lin-Tempels den ersten goldenen Giebel (Carassius auratus gibelio), den Vorfahren des heutigen Goldfisches. Weil das Wasser in solchen Teichen oft sehr trüb war, hat man die Fische über mehrere Generationen hinweg veredelt. Auf diese Weise haben die Fische allmählich bizarre Formen und Farben angenommen. Von oben betrachtet haben die armen Fische den ästhetischen Sinnen des Menschen gut gefallen.

Als später Heimaquarien beliebter wurden, waren die ersten tropischen Fische natürlich Goldfische (also von Anfang an gezüchtete und veredelte Tiere). Makropoden und andere Ostasiaten kamen allmählich hinzu. Importe von bunten, tropischen Zierfischen haben das Aquarienhobby bis zum heutigen Stand erweitert. Leider ist damit auch die Sammelleidenschaft und der Run auf Raritäten entstanden. Durch Veredelung Formen und Farben der Fische zu verändern, ist im Fernen Osten und heutzutage auch in England und den USA eine Mode geworden. Nicht nur Goldfischen und lebendgebährenden Zahnkarpfen (wie Guppys und Platys), sondern auch vielen anderen Fischen wurden andere Farbmuster und Schleierflossen angezüchtet. Auch die ganze Körperform wurde verändert, was Auswirkungen auf die Organe der Bauchhöhle der meisten veredelten Fische hatte. Speziell die veredelten Formen der Goldfische haben oft Verstopfungen.

Leider ist man so weit gegangen, daß man zuerst Albinoformen gezüchtet hat, denen man nun bunte Farben injiziert, oder wenn die Fische von Natur aus nicht pigmentiert sind (wie z.B. Glasbarsche), spritzt man blaue und rote Farbstoffe in die armen Tiere. Bakterielle Infektionen sind die häufige Folge solcher Experimente. Viele Fische - wie Cichliden - kommunizieren durch verschiedene Farben und Farbmuster miteinander. Dadurch, daß der Mensch in einigen wenigen Jahren die Farben und Farbmuster solcher Fische verändert hat, haben diese Fische auch eine fremde "Sprache" lernen müssen. Die neue Farbe kann z.B. eine völlig falsche Bedeutung haben, wodurch sich die anderen Fische nicht mehr artgerecht verhalten können. So kann es vorkommen, daß ein Fisch, der ein Revier bildet, seinen Artgenossen gegenüber seine Dominanz signalisiert. Durch die Verhaltensänderung und die Veränderung der "Sprache" könnten die Artgenossen dieses Signal aber z.B. als Angst interpretieren, wodurch ein ständiger Streß zwischen den einzelnen Individuen entsteht.

Veredlung

Veredelung kann zweierlei Ursprung haben. Entweder strebt man nach bestimmten Eigenschaften oder neue Mutationen entstehen spontan und werden dann weiter gezüchtet. Dabei können sich alle Eigenschaften, die genetisch bedingt sind, verändern. Viele dieser Veränderungen sind beim Großhändler oder im Aquariengeschäft nicht sofort ersichtlich. Bei der Pflege zu Hause bemerkt der Aquarianer unter Umständen, daß die Fische sich nicht mehr so verhalten, wie es in älterer Aquarienliteratur beschrieben wurde. Früher wurde die Veredelung nur durch Auslese betrieben, dadurch, daß nur die besten Tiere weiter gezüchtet wurden. Nach vielen Generationen erhielt man Fische, deren Erscheinungsbild dem ästhetischen Empfinden des Menschen entsprach.

Heutzutage veredelt man eher unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten. Es werden Kreuzungen zwischen Geschwistern, Eltern und Jungen, Rassen, geographischen Varietäten und Unterarten, ja sogar zwischen verschiedenen Arten durchgeführt. Verschiedene Mutationen entstehen mehr oder weniger spontan, werden ausgewählt und weiter gezüchtet. Neben gewünschten entstehen hierbei auch unerwünschte Eigenschaften, die zum Teil nicht direkt ersichtlich sind. Ein Beispiel für unerwünschte Eigenschaften läßt sich bei vielen gewöhnlichen Cichliden (z.B. Scalare), welche veredelt wurden, beobachten. Wenn die Tiere abgelaicht haben, muß das Laichsubstrat aus dem Hälterungsbecken entfernt werden, da die Elterntiere ihre Nachkommen sonst regelmäßig auffressen. Auf diese Weise erhöht sich die Zahl der Cichlidenpaare, deren Brutverhalten nicht mehr arttypisch ist. Nach mehreren Zuchtgenerationen ist so das natürliche Familienleben der Cichliden völlig zerstört.

Es kann vermutet werden, daß auch wirtschaftliche Aspekte bei dieser Form der Veredelung eine Rolle spielen. Um mehr Geld zu verdienen, wäre es z.B. denkbar, Diskusfische so zu veredeln, daß die Jungfische auch ohne ihre Eltern aufgezogen werden können. So könnte man Elternpaare häufiger zum Ablaichen bringen und noch mehr Jungtiere erhalten, die gewinnbringend weiterveräußert werden könnten. Somit entstehen neue Aquarienfische, gewöhnlichen Haustieren ähnlich. In der Natur könnten sich solche Individuen, die ihre Nachkommenschaft regelmäßig fressen oder sich nicht artgerecht verhalten, überhaupt nicht weitervermehren. Die Verbreitung solcher Stämme wäre somit verhindert.

Folgende frustrierende Erfahrung mußten schon viele Aquarianer machen: man hat sich eine Gruppe junger, familienbildender Cichliden besorgt, sie jahrelang gepflegt und abwechslungsreich gefüttert, schaut zu, wie die Jungtiere aufwachsen, Paare bilden - dann ist es endlich soweit, daß die Fische ablaichen ... und man muß zusehen, wie sie alles - billigem Kaviar gleich - auffressen. Alle weiteren Versuche, Jungtiere zu züchten, sind ebenfalls vergeblich, da die Brut jedes Mal aufgefressen wird. Es bleibt nur die Möglichkeit übrig, alle Tiere zu töten und aufs neue anzufangen. Warum? Jemand wollte Geld verdienen, hat verhaltensgestörte Fische weiter gezüchtet, künstlich aufgezogen und die Jungtiere schließlich verkauft.

Was kann der verantwortungsbewußte Aquarianer hiergegen unternehmen? Leider nicht viel, aber ich hoffe, daß ehrliche Aquarianer allmählich verstehen, wohin das kurzfristige Geldverdienen führt und daß die Ethik siegt. Jedem sollte bewußt sein, daß auch Fische Streß und Schmerz empfindende Lebewesen sind. Wenn ich solche stark veredelten Tiere sehe, die in vielerlei Hinsicht genetisch verändert wurden, kann ich nur Mitleid empfinden. Stark deformierte, verkrüppelte Tiere, deren Beflossung viel zu groß ist, und die nur mit außerordentlich großen Mühen überhaupt schwimmen können, stehen kontinuierlich unter Streß und haben kaum Kräfte übrig, um gewöhnliche Wasserbakterien abwehren zu können. Verstopfungen und Entzündungen sind sehr oft Krankheitssymptome der veredelten, deformierten Fische.

Krankheiten

Zwischen Fischen, Parasiten und ihrer Umgebung besteht ein sehr enger Zusammenhang. Die Parasiten haben verschiedene Methoden entwickelt, um in ihre Wirte (Fische) einzudringen und dort leben zu können. Dabei wäre es keinesfalls ein Vorteil für sie, wenn sie ihren Wirt töten oder zu sehr schwächen würden. Fische haben verschiedene Abwehrsysteme gegen Parasiten oder Bakterien der ursprünglichen Umgebung. Es besteht seit Jahrtausenden ein gutes Gleichgewicht zwischen dem Wirt und den auf ihn spezialisierten Schmarotzern.

Es gibt spezielle immunologische und enzymatische Systeme, die für dieses Gleichgewicht verantwortlich sind. Ist das Aquarium möglichst naturgetreu eingerichtet, die Wasserqualität gut und sind die Fische nicht einem kontinuierlichen Streß ausgesetzt, wird sich ein Gleichgewicht im "Ökosystem" Aquarium einstellen. Latente Schmarotzer sind immer vorhanden, aber die Fische bleiben gesund und fühlen sich wohl.

Wenn man nun auf o.g. Weise kreuzt oder "veredelt" und dadurch fremde Wirte mit fremden Schmarotzern zusammenbringt , was leicht passiert, wenn man verschiedene geographische Formen und Unterarten kreuzt, zerstört man das Gleichgewicht zwischen Wirt und Parasit. Verschiedene Selbstregelungssysteme, die Menge und Vermehrung der Krankheitserreger bestimmen, funktionieren im fremden Wirt schlechter, wodurch sich die Parasiten unkontrolliert vermehren. Ein Beispiel hierfür sind Gyrodactylus salaris-Würmer (kleine parasitäre Kiemenwürmer) und der norwegische Lachs als fremder Wirt. Gleicher Parasit wirkt sich auf den Ostseelachs kaum bedrohlich aus, vermehrt sich aber ungehindert und massenweise in den Kiemen der Atlantischen Lachse. Auf diese Weise sind Lachse aus vielen norwegischen Lachsflüssen bereits ausgestorben. In unseren Aquarien schwimmen viele "veredelte" Fische, bei den schon geringste Streßfaktoren ausreichen, um Entzündungen durch gewöhnliche Wasserbakterien hervorzurufen. Schon eine neue Umgebung reicht aus, um latente Krankheiten zum Ausbruch zu bringen.

Natürlich werden durch Zucht und Veredelung nicht nur die Fische sondern auch die Krankheiten "veredelt", oder es entstehen neue "Krankheitsmutanten", welche sehr viel widerstandsfähiger sind als die ursprünglichen Erreger. Gegen solche "veredelten" Erreger haben die Fische dann nur geringe Abwehrmöglichkeiten.

Heilungsmethoden

Medikamente sind auch Gifte! Falsche oder wirkungslose Medizin kann mehr Schaden anrichten als heilen. Die Dosierung muß richtig bemessen sein, denn wenn die Dosis zu gering ist, können die Krankheitserreger sich bekannterweise hieran gewöhnen oder resistent werden. Man hat beispielsweise um Krankheiten vorzubeugen, Fische schon in vielen Massenzuchtanlagen mehr oder weniger kontinuierlich mit schwachen Medizinlösungen behandelt. Daraus resultierte, daß viele früher effektive Medikamente heute nicht mehr heilen oder ihre Wirkung nur noch bei Überdosierung entfalten, was nicht risikolos ist. Wenn man als Aquarianer selbst nicht imstande ist, die richtige Diagnose zu stellen, sollte man einen Fachmann um Rat bitten und nicht mit kranken Tieren und Medikamenten experimentieren. Es gibt bei Fischen nur wenige parasitäre Krankheitserreger mit spezifischen Symptomen. Hier sind Krankheiten wie z.B. die Furunculose des Lachses oder die Fischtuberkulose zu nennen, die heilbar oder unheilbar sein können. Man sollte so weit gehen, daß schon die Importeure Fische, die unheilbar krank sind, nicht mehr verkaufen. Das gleiche gilt natürlich für die Groß- und Einzelhändler. Wir dürfen nicht akzeptieren, daß unheilbar kranke Fische aus Profitgier verkauft werden!

Doch die meisten Fischkrankheiten entstehen durch ungünstige Hälterungsbedingungen. Man muß sich bewußt machen, daß fischgerechtes Wasser und die Umgebung der Fische das Wichtigste ist, um den meisten Krankheiten vorzubeugen und sie heilen zu können. In einer falschen Umgebung fühlen sich die Fische nicht wohl, werden krank und sterben oft frühzeitig.

Antibiotica

Man hat Antibiotika auch in der Tiermedizin zu leichtsinnig und unbekümmert oder sogar unkontrolliert angewendet. Heute spricht man daher von sogenannten Krankenhausbakterien, die gar nicht mehr oder nur sehr schlecht mit Antibiotika behandelt werden können. Viele gewöhnliche ostasiatische Wasserbakterienstämme (wie manche Pseudomonas- und Aeromonas-Stämme) sind schon Antibiotika-resistent oder sogar multiresistent geworden. Gefährlich daran ist, daß Bakterien ihre Antibiotika-Resistenz in andere (sogar Human-Pathogene, wer weiß ?) Bakterienarten übertragen können. Wenn der Aquarianer mit bloßen Händen im Aquarium, in dem erkrankte Fische leben, hantiert, können schwer heilbare Entzündungen beim Menschen die Folge sein. Einweghandschuhe sind eine billige Vorbeugung in solchen Fällen! Außerordentlich wichtig ist die richtige Diagnose der entsprechenden Krankheit bevor man mediziniert. "Die Einzeldiagnose krankheitserregender Bakterien ist allerdings erst nach Kultur oder Anwendung von Spezialverfahren möglich, so daß hier der Spezialist herangezogen werden muß. Dies ist um so sinnvoller, da die zur Therapie benötigten Antibiotika vom Tierarzt verschrieben werden müssen" (Mehlhorn, B., Mehlhorn, H. und G. Schmahl (1992): Gesundheit für Zierfische. Springer, Berlin/Heidelberg-Verlag, S.14).

Zusammenfassung

Die Absicht meines Artikels besteht darin, die Diskussion über ethische und moralische Fragen in der Aquaristik anzuregen. Auch das natürliche und artgerechte Verhalten und die gute Pflege der Fische sollte Gegenstand eines Gedankenaustausches sein und nicht nur die Auseinandersetzung über solche "Modethemen" wie z.B. Sammelleidenschaft, Raritäten, Formen und Farben der Fische. Die moderne westliche Aquaristik sollte wieder zu ihren Ursprüngen zurückkehren. Schon Jochen Weins schrieb in seinem Leserbrief (Aquaristik aktuell 2/1996, S.56): es ist "unbedingt notwendig, allen Aquarianern klar zu machen, daß die Aquaristik nur dann weiter in einer ähnlichen Form wie bisher betrieben werden kann, wenn wir deutlich machen, daß Aquaristik aus Liebe zur Natur und aus Interesse an natürlichen Zusammenhängen betrieben wird. Aquaristik in ihrer ursprünglichen Form (z.B. bei Konrad Lorenz) ist als Verlagerung der Naturbeobachtung ins Wohnzimmer entstanden". Dem kann ich mich nur anschließen.

Weiter veredeln sollte man nur in der Art, daß die ursprünglichen Formen und Farben der Fische erhalten bleiben, die Tiere genetisch beständig und natürlicherweise vielgestaltig bleiben. Solche Eigenschaften wie Widerstandsfähigkeit gegen Aquarienverhältnisse und Immunität gegen Parasiten und Krankheiten sollten durch Züchtung verbessert werden. Hoffentlich dürfen die jungen Cichliden in Zukunft bei ihren Eltern bleiben, so daß man beobachten kann, wie sich die Eltern wieder um ihre Nachkommenschaft kümmern. Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, daß Fische, die zum Verkauf angeboten werden, gesund sind und wir Aquarianer uns darum bemühen, daß sie es bleiben.


Letzte Änderung am 14.6.2002. © 1997-2001 Jukka Järvi

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